Bonner Wirtschaftstalk

Seit seinem Start im Jahr 2012 unterstützt die Sparkasse KölnBonn den Bonner Wirtschaftstalk. Am 27. November 2019 fand unter dem Titel BONN IN SPACE die 41. Gesprächsrunde vor Publikum statt. Vier Experten diskutierten über den Wirtschaftsfaktor Raumfahrt.

Während in Sevilla die für Raumfahrtaktivitäten zuständigen europäischen Minister im Rahmen der Space 19+ tagten, um über neue Vorschläge und die Finanzierung der ESA in den nächsten Arbeitsjahren zu entscheiden, talkte Nathalie Bergdoll mit ihren Gästen ebenfalls zum Thema Raumfahrt.

Von Dr. Hendrik Fischer wollte die Moderatorin zum Einstieg in das Thema wissen, wie es um das deutsche Engagement für die Raumfahrt bestellt sei. Zwar werde Deutschland zukünftig signifikant höhere ESA-Beiträge zahlen als bisher, sei aber sowohl im europäischen wie internationalen Vergleich eher mittelmäßig aufgestellt – so die Antwort des Vertreters der DLR. Zur Veranschaulichung nannte er konkrete Zahlen: Während die USA 0,24% ihres Bruttoinlandsprodukts für die Raumfahrt aufwenden würden, seien es in Deutschland 0,047%. Dabei müsse gerade jetzt mehr in Raumfahrt investiert werden, weil sie zunehmend ein Zukunftsmarkt werde und nicht mehr ein rein von Staaten betriebenes Geschäft sei.

Die Entscheidungen, die auf der Space 19+ getroffen werden, sind für zwei weitere Podiumsgäste von besonderem Interesse – für Chiara Pedersoli, entwickelt doch die OHB Satelliten insbesondere für ESA, DLR und Bundeswehr und für Dr. Markus Neteler, dessen Unternehmen sich mit der Auswertung von Satellitendaten beschäftigt. Zu wissen, welche Satelliten ab wann und für welchen Zeitraum als Datenquelle zur Verfügung stehen, ist notwendige Voraussetzung für eine zukunftsträchtige Produktentwicklung. Unbestritten in der Runde war die Auffassung, dass der Weltraum gerade im Hinblick auf Zukunftsfähigkeit und Umweltfragen ein weites Feld der Möglichkeiten enthält. Stichwort New Space: Seit einigen Jahren treiben private Anbieter die kommerzielle Nutzung des Weltraums voran. Ein Thema, das dabei in den Blick gerät, ist die Ausbeutung von Asteroiden. Fischer hält die Ausbeutungsmöglichkeiten bzgl. möglicherweise auf einem Asteroiden vorhandener Bodenschätze für unrealistisch. Egal, wie selten oder kostbar ein Metall oder anderes Element auch sei – die Kosten, die für die Schürfung im Weltraum auch in absehbarer Zukunft aufzubringen wären, könnten nie im Verhältnis zum Ertrag stehen.

Als viel realistischer schätzt er die Möglichkeiten des Weltraumtourismus ein. Nicht im ganz großen Stil – also mit Flügen beispielsweise zur ISS, die in etwa 400 km Höhe liegt – aber in Gestalt von „Touren“ an den Rand des Weltraums in etwa 100 km Höhe in einem Raketenflugzeug. Derartige Flüge würden das Gefühl von Schwerelosigkeit und den Blick von oben auf die Erde ermöglichen, ohne dass die Weltraumtouristen spezielle Ausstattung und Vorbereitung durch Astronautentrainings bräuchten. Kein Science-Fiction, sondern nach seiner Einschätzung durchaus innerhalb der nächsten 10 Jahre möglich. Chiara Pedersoli betont als Vorteil der New-Space-Ansätze deren Innovationskraft, die dazu beitragen könne, die Wirtschaftlichkeit von Satelliten oder die Machbarkeit bestimmter Missionen zu erhöhen. Dr. Neteler hat dazu direkt ein praktisches Beispiel parat: Inzwischen ist es möglich, Satelliten von der Größe eines Schuhkartons zu bauen anstelle der Größe eines Autos oder noch größer. Weil die Cube-Size-Satelliten im Verhältnis sehr viel kostengünstiger sind, wird es möglich, in die Masse zu gehen. Beispielsweise anstelle eines großen Satelliten 1.000 kleine einzusetzen und damit eine Erdabdeckung pro Tag zu generieren. Bei einem „herkömmlichen“ Satelliten bedarf es dafür etwa zwei Wochen.

Zum Bonner Wirtschaftstalk
Im Jahr 2012 startete die Sparkasse KölnBonn gemeinsam mit den Stadtwerken Bonn, Energie und Wasser sowie der IHK Bonn/Rhein-Sieg die Veranstaltungsreihe „Bonner Wirtschaftstalk“. Vertreter der lokalen Wirtschaft diskutieren beim Bonner Wirtschaftstalk über aktuelle Themen mit Regionalbezug. Die 90-minütige Veranstaltung findet im Turnus von acht Wochen statt und wird von Nathalie Bergdoll und Christian David moderiert.

Es wird also möglich, innerhalb immer kürzerer Zeit immer mehr Daten zu sammeln. Was wiederum die Datenschützer auf den Plan rufen wird. Eine Krux, mit der sich auch Hartmut Kasper im Rahmen der Perry Rhodan-Serie auseinandersetzen muss. Dort kamen die Autoren zu dem Schluss: Die totale Überwachung und Kontrolle auf Terra ist zwar technisch möglich. Wenn sie diese installieren, nehmen sie sich aber gleichzeitig die Möglichkeit, noch spannende Geschichten zu erzählen, weil diese folgerichtig durch die Überwachung verhindert würden. Die Lösung innerhalb des „Perryversums“: der Aufenthalt in privatisierten Räumen, der zwar das Lebensrisiko erhöht aber frei von Überwachung ist. Zurück auf die reale Erde der Gegenwart: Die Weltraumforschung dient nicht der Entdeckung von Aliens auf noch unbekannten Planeten in ferner Zukunft, sondern ist bereits heute Grundlage unserer Infrastruktur. Kommunikationstechnologie, Navigationssysteme, das Funktionieren der Stromnetze, die komplette Klimaforschung – all das würde ohne Weltraumforschung nicht existieren.

„Darüber hinaus“, so Hendrik Fischer, „gibt es immer wieder Entwicklungen, die in der Raumfahrt gemacht werden und nachher in anderen Bereichen angewendet werden.“ Beispiele dafür sind der Akkuschrauber, den die NASA entwickelte, weil es im All keine Steckdosen gibt oder auch die Gleitsichtbrille. Auch Hartmut Kasper hebt den immensen Einfluss der Weltraumforschung auf die Gesellschaft hervor: „Wir haben durch die Weltraumfahrt Berufe entwickelt, die es vor 50 oder 60 Jahren gar nicht gegeben hat.“ Zudem vermutet er, dass der volkswirtschaftliche Nutzen, der aus der Raumfahrt entsteht, die Kosten dafür um ein Vielfaches übersteigt. Eine Vermutung, die von Hendrik Fischer bestätigt wird. Der konkrete wirtschaftliche Effekt sei zwar sehr schwer zu messen, Schätzungen zufolge würden wirtschaftliche Sektoren, die ungefähr ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts ausmachen, aber direkt positiv von der Raumfahrt beeinflusst. Und das bei einem Investitionsvolumen von 18,70 € pro Bundesbürger im Jahr. Fazit des Abends: Die Raumfahrt entwickelt sich immer mehr weg von einem staatlichen Sektor, hin zu einem Markt. So ist es auch sicherlich folgerichtig, dass sie nicht mehr Bestandteil des Ministeriums für Bildung und Forschung ist, sondern des Wirtschaftsministeriums ist.

Nächster Termin:

05. Februar 2020
Mitten in Europa

Terminänderungen vorbehalten

Die Dokumentation der bisherigen Bonner Wirtschaftstalks finden Sie auf www.bonner-wirtschaftstalk.com.

Die Veranstaltung in Zahlen

Bonner Talkrunde der Wirtschaftsexperten

41
Sendungen

 

144
Podiumsgäste

 

 

9.750
Zuschauer

 

Kontaktinfos

Bonner Wirtschaftstalk

E-Mail gut@sparkasse-koelnbonn.de

Weitere Projekte Schwerpunkt Wachstum & Umwelt

Wachstum & Umwelt

Naturforscherkiste

Anleitungen zum Gärtnern und Entdecken für die Kleinsten: Unter anderem durch Spendengelder der Sparkasse KölnBonn konnten 50 Naturforscherkisten für Kindertagesstätten angeschafft werden.
www.stadt-koeln.de

Klimabotschafter

2010 wurde unter dem Dach der Bürgerstiftung Bonn die „Stiftung Bonner Klimabotschafter“ gegründet. Über 5000 Kinder haben schon den Klimaführerschein gemacht.
www.bonner-klimabotschafter.de

Webbewerb

Die Stärkung der Medienkompetenz steht im Zentrum der Web-Rallye für Schüler-Teams der 5. bis 13. Klasse. Die Sparkasse KölnBonn unterstützt die Aktion der Kölnischen Rundschau.
www.rundschauwebbewerb.de