Bonner Wirtschaftstalk

Seit seinem Start im Jahr 2012 unterstützt die Sparkasse KölnBonn den Bonner Wirtschaftstalk. Zur Premiere des Bonner Wirtschaftstalk am neuen Standort im Auditorium des KUNSTMUSEUM BONN talkte Moderator Christian David mit den Podiumsgästen über die europäische Integration und deren wirtschaftliche Bedeutung.

Schon zu Beginn wurde am 05. Februar 2020 deutlich: Bonn und die Region haben für die vier Diskutanten nicht nur einen hohen persönlichen Wohlfühlfaktor, sondern bieten in ihren Augen aufgrund der geografischen Lage mitten in Europa auch einen Standortvorteil für ansässige Wirtschaftsunternehmen.

Dr. Jörg Haas, Vizepräsident der IHK Bonn/Rhein-Sieg und Vorstand der HW Partners AG, betonte die große Bedeutung, die der Binnenmarkt für uns alle und die Erhaltung unseres Wohlstands hat. Was Christian David zu der Frage veranlasste, warum denn dann die Briten diese Überzeugung nicht teilen würden.

Alexander Graf Lambsdorff, Europapolitiker und stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion, erklärt dies mit grundsätzlich unterschiedlichen Sichtweisen auf Sinn und Funktion der Europäischen Union: „Der Grundgedanke der Entstehung der Europäischen Union war ja, dass nie wieder Krieg zwischen Deutschland und Frankreich sein sollte.“ Diese politische Idee hatten die Briten, die erst in den 1970er Jahren dazu kamen, nicht im Focus, sondern vor allem die nationale Wirtschaft.

Die Annahme der Briten, dass es der heimischen Wirtschaft nach dem Brexit besser gehen werde, hält Jochen Pöttgen, Leiter der Bonner Regionalvertretung der Europäischen Kommission, für einen Trugschluss. Als Beispiel nannte er die Forschung. Viele wichtige Forschungsprojekte würden von Europa finanziert, von deren Ergebnissen alle Mitgliedsstaaten profitieren würden – die Briten zukünftig nicht mehr. Über einen Effekt des Brexits freut sich Nelly Kostadinova, Speakerin, Autorin und Gründerin von Lingua-World: „Es sind schon viele tolle Fachkräfte zu mir nach Köln gekommen, die sagen, sie seien wegen des Brexits hier.

Chancen für wirtschaftliches Wachstum in Europa werden von den Podiumsgästen nicht in der Konzentration auf das eigene Land gesehen, sondern im Gegenteil in der stärkeren Homogenisierung der beteiligten Staaten, in der Festlegung auf gemeinsame Standards. „Der Binnenmarkt entsteht durch Einigung. Wenn jeder sein eigenes macht, funktioniert es nicht“, so Alexander Graf Lambsdorff. Wenn Europa als Wirtschaftsmacht wachsen wolle, sei das nur gemeinsam möglich.

Wichtig für die Zukunftsfähigkeit des Binnenmarktes sei vor allem die Verlässlichkeit, so Jörg Haas: “ Wir müssen einen homogenen Markt hinbekommen, mit einheitlichen Rechts-Regeln, nach denen man sich ausrichten kann.“ Und Lambsdorff ergänzt, dass ein europäisches Kaufrecht in Brüssel daran gescheitert sei, dass „die deutschen Juristen ein quasi erotisches Verhältnis zum BGB“ hätten.

Dr. Jörg Haas setzt auf Innovation durch Digitalisierung. Wenn man als Wirtschaftsraum nicht weiterhin gegenüber den USA und Asien ins Hintertreffen geraten wolle, sei es dringend notwendig, die Finanzierung von Innovationen massiv zu verstärken. Zurzeit werden Innovationen noch in hohem Maße durch existierende Regeln ausgebremst. Außerdem bedarf es einer europäischen Ausrichtung, statt einer nationalen. So berichtete Alexander Graf Lambsdorff, Estland – als das innerhalb Europas innovativste Land im Digitalbereich – sehe die Ursache dafür darin, dass es so klein sei. Denn so sei es existentiell, nicht nur für den eigenen Markt zu entwickeln, sondern direkt für den internationalen Markt.

Gefragt nach den Wettbewerbsvorteilen Europas, nannte Nelly Kostadinova die Möglichkeiten durch digitalen Fortschritt. Sie ist überzeugt, dass die länderübergreifende Verständigung auch ohne Festlegung auf eine gemeinsame Sprache gelingen wird: mit der Entwicklung eines Produkts, das es erlaubt, dass jeder in seiner eigenen Sprache spricht und dennoch von allen verstanden wird.

Zum Bonner Wirtschaftstalk
Im Jahr 2012 startete die Sparkasse KölnBonn gemeinsam mit den Stadtwerken Bonn, Energie und Wasser sowie der IHK Bonn/Rhein-Sieg die Veranstaltungsreihe „Bonner Wirtschaftstalk“. Vertreter der lokalen Wirtschaft diskutieren beim Bonner Wirtschaftstalk über aktuelle Themen mit Regionalbezug. Die 90-minütige Veranstaltung findet im Turnus von acht Wochen statt und wird von Nathalie Bergdoll und Christian David moderiert.

Englisch bleibt alledings Pflicht in Brüssel, insbesondere für die informellen Verhandlungen. Gleichzeitig ist es eines jeden Recht, sich in der eigenen Sprache an die europäischen Gremien zu wenden. Nelly Kostadinova betont, wie wichtig jegliche Art von Kommunikation sei, selbst wenn man dazu keine Übersetzungsdienstleitungen in Anspruch nehmen müsse. Denn auch auf diesem Sektor ist die Digitalisierung auf dem Vormarsch. Graf Lambsdorff berichtet, wie er sich in Athen angeregt mit einem Taxifahrer unterhalten habe – per digitalem Übersetzer.

Ob seine Gäste sich in erster Linie als Bonner bzw. Rheinländer, als Deutscher oder als Europäer fühlten, wollte Christian David wissen. Klar beantwortet von Jochen Pöttgen: 40% Kölner, 40% Europäer und 20% Deutscher – und sehr diplomatisch von Nelly Kostadinova, die meinte, sie sei in Bulgarien geboren und aufgewachsen, habe sich durch die herzliche Aufnahme in Köln zunehmend zur Rheinländerin und damit zur Deutschen entwickelt und inzwischen – aufgrund von Erfahrungen im Ausland – das Gefühl, in der ganzen Welt zuhause zu sein.

Dr. Jörg Haas sieht sich in erster Linie als Europäer, am schwächsten ausgeprägt die Selbstwahrnehmung als Deutscher – mit einer blitzartigen Reihenfolgenumkehrung während eines deutschen Länderspiels bei der Fußball-WM. Auch Alexander Graf Lambsdorff beurteilte die Gewichtung für sich in Abhängigkeit vom jeweiligen Kontext. Während seiner Zeit in Brüssel habe der Umstand, dass er häufig Deutschland erklären musste, auch zu einer stärkeren Wahrnehmung der deutschen Identität geführt; jetzt in Berlin sei er häufiger der Europäer. „Nur wenn die Nationalmannschaft spielt, enden alle Kontexte…“

Das Fazit also? Christian David fasst es mit einem Zitat zusammen: “ Europa ist gesünder als viele glauben, die echte Krankheit Europas sind seine Pessimisten.“

Nächster Termin:

29. April 2020
Entwicklungskonzepte von Smart Cities

Terminänderungen vorbehalten

Die Dokumentation der bisherigen Bonner Wirtschaftstalks finden Sie auf www.bonner-wirtschaftstalk.com.

Die Veranstaltung in Zahlen

Bonner Talkrunde der Wirtschaftsexperten

42
Sendungen

148
Podiumsgäste

9.950
Zuschauer

Kontaktinfos

Bonner Wirtschaftstalk

E-Mail gut@sparkasse-koelnbonn.de

Weitere Projekte Schwerpunkt Wachstum & Umwelt

Wachstum & Umwelt

Naturforscherkiste

Anleitungen zum Gärtnern und Entdecken für die Kleinsten: Unter anderem durch Spendengelder der Sparkasse KölnBonn konnten 50 Naturforscherkisten für Kindertagesstätten angeschafft werden.
www.stadt-koeln.de

Klimabotschafter

2010 wurde unter dem Dach der Bürgerstiftung Bonn die „Stiftung Bonner Klimabotschafter“ gegründet. Über 5000 Kinder haben schon den Klimaführerschein gemacht.
www.bonner-klimabotschafter.de

Webbewerb

Die Stärkung der Medienkompetenz steht im Zentrum der Web-Rallye für Schüler-Teams der 5. bis 13. Klasse. Die Sparkasse KölnBonn unterstützt die Aktion der Kölnischen Rundschau.
www.rundschauwebbewerb.de