Bonner Wirtschaftstalk

Seit seinem Start im Jahr 2012 unterstützt die Sparkasse KölnBonn den Bonner Wirtschaftstalk. Am 13. Juni 2018 fand unter dem Titel „BONNER BAUTEN“ die 33. Talkrunde vor Publikum statt. Vier Experten aus der Praxis diskutierten in der Bundeskunsthalle über die Immobilienwirtschaft Bonn/Rhein-Sieg.

Selten war sich eine Runde beim Wirtschaftstalk so einig: Bonn braucht mehr Wohn- und auch Büroraum, doch um die Fläche dafür zu schaffen, müssen Wege für kreative Lösungen eröffnet werden: „Es braucht wieder eine Lust, zu bauen.“

Bauen, bauen, bauen
Kein Zweifel: In Bonn gibt es zu wenig Fläche für einen steigenden Immobilienbedarf – „da hilft nur eins: Bauen, bauen, bauen“, so Helmut Hergarten, Hauptgeschäftsführer der größten regionalen Eigentümerschutz-Gemeinschaft Haus & Grund Bonn/Rhein-Sieg. Doch wo und wie? Ein Stichwort lautet: Nachverdichtung. „Wir müssen im Inneren verdichten. Mit guten Ideen kann man auch alte Immobilien hochpäppeln“, ist Karl-Heinz Schommer, Architekt und MIPIM-Preisträger für das Kameha Grand Hotel am Bonner Bogen, überzeugt. Und Edith Bosau, Geschäftsführerin der Bosau Immobilien-Management GmbH, fügt hinzu: „Es fehlt an kreativen Köpfen, die sich ansehen, wie man etwas optimieren kann. Jede Immobilie bietet Möglichkeiten, die vorhandene Fläche kreativ zu vergrößern“. Doch damit allein ist es nicht getan: „Wenn wir nicht die letzte Grünfläche zubauen wollen, dann müssen wir in die Höhe gehen“, sagt Helmut Hergarten – eine Erkenntnis, gegen die sich sich oft Widerstand regt. Sicher ist aber auch, so Volker Schramm, Bonner Vorstandsmitglied der Sparkasse KölnBonn, dass gerade aufgrund der Wohnungsknappheit die Immobilie in der Stadt klar wertstabiler ist als das vor Jahren noch so beliebte Häuschen im Grünen.

Veraltete Bebauungspläne
Hemmschuh für kreative Lösungen sind oft die Bonner Bebauungspläne, die zum Teil noch aus den 50er Jahren stammen – ein viel zu enges Korsett für den heutigen Bedarf, befand die Runde. Grundstücks-Eigentümer haben so kaum Anreize zu bauen, vielleicht fehlt sogar die grundsätzliche Erlaubnis. Dabei, so Karl-Heinz Schommer, gibt es Grundstücke, die man bisher als nicht bebaubar angesehen hat, die aber heute – z.B. mit entsprechendem Schallschutz – hochwertig bebaut werden können – doch dazu müssten die rechtlichen Voraussetzungen geändert werden. Auch Durchmischung bietet viel Potenzial, muss aber möglich gemacht werden. Bei großen Büro-Immobilien-Projekten, so Edith Bosau, kann es für einen regional gut vernetzten Makler leichter sein, im Sinne des Nutzers Lösungen mit den Behörden zu erreichen. „Das ist der Vorteil der regionalen Einbindung: Ich kann das klären.“ Grundsätzlich aber gilt, so Helmut Hergarten kategorisch: „Die Bebauungspläne aus den 50er Jahren müssen aufgehoben werden.“ Nur dann kann man auch erreichen, die magere Eigentumsquote von 26 bis 27 Prozent in Bonn zu steigern. „Es ist extrem wichtig, dass wir da etwas tun, um Familien in Eigentum zu bekommen. Auch für mietfreies Wohnen im Alter.“, betont Volker Schramm.

Mut und Stolz
Die Expertenrunde beklagt, dass das Klima in der Bonner Bauwirtschaft zur Zeit nicht gerade kreativitätsfördernd ist – Privatleute mit Energie und Mut, die auch etwas für die Stadt tun wollen, haben es daher schwer. Karl-Heinz Schommer wird deutlich: „Ab und zu braucht man Leuchtturmprojekte, auf die eine Stadt stolz sein kann.“ Bonn plane statt dessen auf einem Juwel-Grundstück am Rhein statt einem das Ufer in Szene setzenden Festspielhaus ein 3-Sterne-Hotel, das überall stehen könnte. Und Helmut Hergarten setzt noch einen drauf: „Wir brauchen in Bonn eine Atmosphäre, in der wir stolz sind, etwas zu bauen. Statt dessen haben wir viele pensionierte Ministerialräte, die Leserbriefe schreiben.“ Edith Bosau berichtet, dass man gut vernetzt und hartnäckig sein muss, um zum Beispiel durch „Entwidmung“ einer Straße eine größere Grundstücksfläche zu erschließen. „Was Du nicht versucht hast, von dem weißt Du nicht, wie es geworden wäre – man muss manchmal Dinge angehen, die erstmal unmöglich erscheinen.“ Begeisterung ist das Stichwort – die Sparkasse unterstützt ihre Immobilien-Projekte mittlerweile mit einer VR-Software, die ungebaute Bauten virtuell begehbar macht. Abschließend sind sich alle einig: Es geht um nachhaltiges Bauen – kreativ, zukunftsweisend, unbürokratisch, knappe Fläche optimal nutzend, finanzierbar. „Wow“, befindet Moderatorin Natalie Bergdoll, wenn alle zusammenarbeiten, sollte das doch möglich sein.

Zum Bonner Wirtschaftstalk
Im Jahr 2012 startete die Sparkasse KölnBonn gemeinsam mit den Stadtwerken Bonn, Energie und Wasser sowie der IHK Bonn/Rhein-Sieg die Veranstaltungsreihe „Bonner Wirtschaftstalk“. Vertreter der lokalen Wirtschaft diskutieren beim Bonner Wirtschaftstalk über aktuelle Themen mit Regionalbezug. Die 90-minütige Veranstaltung findet im Turnus von acht Wochen statt und wird von Dr. Angela Maas oder Jörg Thadeusz moderiert.

Bonner Wirtschaftstalk 2018:

29. August 2018: BONNER BILDUNG. 200 Jahre Universität bis Learning 4.0

11. Oktober 2018: E-BONN. E-Bike bis StreetScooter

05. Dezember 2018: BEETHOVEN@BONN. Herausforderung & Chance 2020

Die Dokumentation der bisherigen Bonner Wirtschaftstalks finden Sie auf www.bonner-wirtschaftstalk.com.


Die Aufzeichnung der Sendung vom 18. April 2018 können Sie hier in voller Länge ansehen.

Die Veranstaltung in Zahlen

Bonner Talkrunde der Wirtschaftsexperten

33
Sendungen

115 Podiumsgäste

8.100 Zuschauer

Kontaktinfos

Bonner Wirtschaftstalk

E-Mail gut@sparkasse-koelnbonn.de

Weitere Projekte Schwerpunkt Wachstum & Umwelt

Wachstum & Umwelt

Naturforscherkiste

Anleitungen zum Gärtnern und Entdecken für die Kleinsten: Unter anderem durch Spendengelder der Sparkasse KölnBonn konnten 50 Naturforscherkisten für Kindertagesstätten angeschafft werden.
www.stadt-koeln.de

Klimabotschafter

2010 wurde unter dem Dach der Bürgerstiftung Bonn die „Stiftung Bonner Klimabotschafter“ gegründet. Über 5000 Kinder haben schon den Klimaführerschein gemacht.
www.bonner-klimabotschafter.de

Webbewerb

Die Stärkung der Medienkompetenz steht im Zentrum der Web-Rallye für Schüler-Teams der 5. bis 13. Klasse. Die Sparkasse KölnBonn unterstützt die Aktion der Kölnischen Rundschau.
www.rundschauwebbewerb.de